Zitat von EREIGNISHORIZONT
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Django Unchained by Quentin Tarantino
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Zitat von LargoIch sehe meine Aufgabe nicht darin, eine umfassende Sozialtheorie des Filmemachens zu entwickeln.
Vielmehr hast du dieses Thema eröffnet mit deiner Behauptung über Regisseure und deren Einfluss auf den Film, bzw. deren Grundeinstellungen mit Hinblick auf die Kernbotschaft eines Films.
Zitat von LargoEs ist sehr wahrscheinlich, dass Drehbuchautoren, Produzenten, Regisseure und weitere Beteiligte eine ähnliche politische Einstellungen haben.
Lars v. Trier ist bekannt dafür, Thematiken aufzunehmen, die völlig konträr seiner eigenen Grundhaltung gehen.
Die MIRAMAX-Brüder produzieren Filme unabhängig von eigenen Standpunkten. Wichtig ist für sie der unabhängige Film, genauso wie für Robert Redford, der dafür ein eigenes Filmfestival aufgebaut hat. Viele Beiträge beim Sundance Filmfestival sind oft sehr kontrovers und auch sehr oft unter schwierigen Bedingungen entstanden, gerade weil es unterschiedliche Haltungen in einem Filmteam gibt.
Martin Scorsese hat mal über Taxi Driver gesagt, dass der Hauptprotagonist wohl eine der widerwärtigsten Charaktäre war, den er je geschaffen hat.
Oft ist es der innere Disput eines Regisseurs, Drehbuchautor oder Produzent, welcher einen Film erst richtig interessant macht.
Natürlich gibt es auch die von dir beschriebenen Gruppen, und sicherlich dienen solche Filme dann auch als Sprachrohr für die Haltung der betreffenden Leute, aber halt nicht nur."Education is the most powerful weapon which you can use to change the world."Nelson Mandela
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In diesem Fall hat Tarantino ja auch (mal wieder) sowohl das Drehbuch geschrieben als auch Regie geführt, und ich habe auch nicht den Eindruck, dass er sich von den Produzenten besonders viel sagen lässt, was seine eigenen Werke angeht.
Insofern: Wenn in dem Film eine Meinung zum Tragen kommt, dann wohl seine.Die Einstellung von Tarantino gegenüber der Thematik ist jetzt ja auch kein Geheimnis, er hat sich ja selbst schon dazu geäußert.
So sehr muss man über diesen Punkt insbesondere bei diesem Film also doch eigentlich gar nicht diskutieren. Ich stimme aber zu, dass es - und das war wohl der Auslöser - definitiv nicht immer so ist, dass eigene Meinungen in den Film getragen werden.
Hier ist es halt der Fall. Und ich kann seine Meinung was das angeht durchaus nachvollziehen, wenn man die damalige Situation betrachtet.
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Zitat von Kelshan Beitrag anzeigenHier ist es halt der Fall. Und ich kann seine Meinung was das angeht durchaus nachvollziehen, wenn man die damalige Situation betrachtet."Education is the most powerful weapon which you can use to change the world."Nelson Mandela
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Zitat von Largo Beitrag anzeigen<gähn>
Beitrag-IDs: #67, #72, #81, #83
Richtig ist die Annahme, dass der Held grundsätzlich das macht was der Regisseur gut findet nicht! Auch ist Django nicht DER Sympathieträger des Films und der Film auch kein Plädoyer für Rache oder Selbstjustiz. Gerade durch die übertriebene Gewalt und die überzeichneten Charaktere wird klar, dass das keine Botschaft sein soll, definitiv kein Aufruf zu Rassenunruhen!
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Zitat von Kelshan Beitrag anzeigenSo sehr muss man über diesen Punkt insbesondere bei diesem Film also doch eigentlich gar nicht diskutieren. Ich stimme aber zu, dass es - und das war wohl der Auslöser - definitiv nicht immer so ist, dass eigene Meinungen in den Film getragen werden.
Dass es auch Filme gibt, die keine / eine ambivalente Botschaft haben, oder sich Filmemacher von ihren Figuren distanzieren können, habe ich nirgendwo explizit ausgeschlossen. Es gibt hier nichts zu widerlegen. So schnell lasse ich mich auch nicht auf's Glatteis führen.Mein Profil bei Last-FM:
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Zitat von Largo Beitrag anzeigenDjango verhält sich so, wie sich Quentin Tarantino das Verhalten der Afroamerikaner in der damaligen Zeit gewünscht hätte.
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Zitat von AndyFo4rSe7eN Beitrag anzeigenAber ist denn "Afroamerikaner" wirklich der politisch korrekte Ausdruck für diese Menschen?
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Gast
Zitat von Largo Beitrag anzeigenLeider fehlt es mitunder an Sensibilität: Tarantino macht keinen Unterschied zwischen dem Plantagenbesitzer Candie, seiner Schwester und dem Hausdiener Stephen – alle sind schuldig und müssen sterben. Insbesondere Stephen's Lebensweg halte ich für durchaus bemerkenswert: Er ist faktisch kein Sklave mehr, sondern Familienmitglied und auf Augenhöhe mit Candie. Symptomatisch ist dabei z.B. die Szene, in der er Candie mit einem Glas Cognac in der Hand in der Bibliothek empfängt und Candie seinen Verdacht bzgl. der wahren Absichten von Schultz und Django offenbart. Stephen hat das erreicht, was sich Django mit Gewalt erkämpfen muss und viele Afroamerikaner bis in die heutige Zeit noch nicht erreicht haben. Hat er wirklich den Tod verdient?
Daher, und weil Stephen trotz seiner Stellung natürlich nicht wirklich frei ist, bezweifle ich ich auch, dass Stephen das erreicht hat, was Django sich erkämpfen will.
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Zitat von Largo Beitrag anzeigenNaja, es ist ja nicht so, dass der Regisseur hier keine Partei ergreifen würde. Django ist der Held und der Sympathieträger des Films und er tut genau das, was Drehbuchautor und Regisseur verlangen. Insofern bringt Django ein Stück weit auch die Einstellungen und Überzeugungen des Drehbuchautors/Regisseurs zum Ausdruck. Tatsächlich gibt es auch Belege in Form von Interviews, dass Tarantino Töten/Gewalt als legitimes Mittel ansieht. Er ist diesbezüglich, so unterhaltsam ich die ganzen Gewaltszenen auch finde, überführt.Zitat von Largo Beitrag anzeigenDass sich die meisten Menschen unter solchen Bedingungen ähnlich verhalten würden, d.h. sich Vorteile aus einer Situation ziehen und sich mit der Welt, die sie vorfinden, identifizieren, ist keine Beleidigung sondern eine Tatsachenbeschreibung. Diverse historische Präzedenzfälle wären sonst nicht erklärbar.
Da ich allerdings auch ganz grundsätzlich gegen Selbstjustiz und Todesstrafe bin, bin konsequenterweise auch auch dagegen, dass Menschen, die aus reiner Boshaftigkeit (was immer das auch ist) handeln, getötet werden sollen.
Ich sehe auch kein Problem darin, dass Tarantino Gewalt als legitimes Mittel ansieht, weshalb er auch nicht irgendwie überführt werden müsste. Ein Sklave kann nun mal nicht einfach zum nächsten Sheriff marschieren und sich über die Sklaverei beklagen und die Sklavenhalter allesamt festnehmen lassen. Wenn Sklaven daher beschließen sich und andere Sklaven gewaltsam zu befreien, dann finde ich das absolut in Ordnung. Selbstjustiz ist in der Situation einfach besser als gar keine.
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Gast
Da der Trailer einen extrem positiven Eindruck des Films vermittelt hat, habe ich ihn mir am Wochenende im Kino angesehen. Leider bin ich im Großen und Ganzen recht enttäuscht.
Schauspieler, Musik und grundsätzliche Handlung waren top. Da gibt es von meiner Seite absolut nichts zu meckern. Insbesondere Dr. King Schultz und sein Pferd Fritz waren erste Sahne. Die könnte ich mir stundenlang ansehen.
Leider beschränkt sich der positive Eindruck auf den ersten Teil des Films bis zum Tod von Dr. King Schultz. Danach gleited das Ganze in eine sinnlose, übertrieben blutrünstige Ballerorgie ab. Dabei stört mich nicht mal, dass Django hier seine Rachegelüste so richtig rauskotzt, sondern die übertrieben blutrünstige Gewaltdarstellung, für die es keinerlei Anlass gab. Dieses völlig unrealistische Blutgematsche erfüllt keinerlei Zweck, außer dass man offenbar brutale Gewalt zeigen wollte. Das ist einfach nur dümmlicher Schwachsinn und macht den Film letztlich ziemlich kaputt. Mal ganz davon abgesehen, dass dieses ewige Rumgemetzel irgendwann schlichtweg langweilig und ermüdend wird und es zudem ziemlich unglaubwürdig ist, dass einer alleine dermaßen viele Gegner niedermäht. Zumal ich auch nicht verstanden habe, warum Dr. King Schultz nicht den Mann mit der Schrotflinte auch noch umlegt. Ich kann mir das nur dadurch erklären, dass er sterben wollte.
Was die obige Diskussion angeht, so schließe ich mich dem Standpunkt von spidy1980 an. Ich kann hier nicht erkennen, dass es irgendeine nähere Verbindung zwischen Tarantino und Django gibt, außer dass Tarantino es als grundsätzlich legitim ansieht, wenn unterdrückte Personen bzw. Personengruppen Gewalt anwenden, um sich aus ihrer Lage zu befreien. Die Aktionen von jemandem grundsätzlich gutzuheißen, bedeutet nicht, jede Einzelaktion gutzuheißen.
Was ich auch nicht erkennen kann ist, dass Django irgendeinen "moralischen Kompass" hätte. Das einzige mal, wo Django so etwas wie Moral (oder genauer gesagt: Sympathie gegenüber Weißen) erkennen lässt ist da, wo er Hemmungen hat, einen Mörder vor dessen Sohn zu erschießen. Genau diese Hemmungen werden ihm aber gerade an dieser Stelle von seinem Lehrmeister Dr. King Schultz ausgetrieben und er stellt das ja später gerade noch einmal gegenüber diesem heraus, dass er seine Lektion verinnerlicht hat, dass er in seinem Geschäft nicht zimperlich sein darf. Django hat letztlich nur ein einziges Interesse: Seine Frau zu befreien und sich an seinen und ihren Peinigern zu rächen. Das tut er auch.
Fazit: Gute Idee, am Anfang gut umgesetzt, durch's Ende aber versaut.
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Gast
Zitat von spidy1980 Beitrag anzeigenHeillos übertriebenes Gematsche in einem Tarantino-Streifen ist doch völlig normal. Kann man zu stehen wie man will, natürlich.
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Nun, Kill Bill, Inglorious Basterds und eben auch Django Unchained zeichnen sich alle durch extrem blutige Schlussakte aus. Auch in Deathproof und dem schon älteren Reservoir Dogs war Tarantino alles andere als zimperlich.
Selbst Pulp Fiction hatte solche Momente. Ich sag nur: "Du bist über nen Hubbel gefahren."
Der einzige recht unblutige Film von ihm, den ich kenne, war Jackie Brown.
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Gast
Ja, Pulp Fiction hatte solche Momente, aber dass dort explizit gezeigt wurde, wie ein Dutzend Menschen brutalst niedergemetzelt werden und das mit vollkommen unrealistischem und überzogenem Blutgematsche, daran kann ich mich nicht erinnern.
Bei der "Hubbel"-Szene sieht man ja nicht sooo viel, nur dass plötzlich die Scheiben rot getönt sind.
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